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Nachbericht Fütterung von Problempferden | Drucken |
Geschrieben von Katja Wörner   
Mittwoch, 11 März 2009

Nachbericht über den VFD-Infotreff  „Fütterung von Problempferden“  am 27.02.2009

1.jpgEinen äußerst interessanten und kurzweiligen Abend konnte man am 27.02.2009 in der Gaststätte „Beim Thea“ in Schwalbach-Elm erleben. Wenn man zunächst mit der Erwartung ankam, es handele sich bei dem Informationsabend über die Fütterung von Problempferden um ein eher trockenes Thema, wurde man durch die Referentin Christine Bauer von der Futterfirma St. Hippolyt sogleich eines besseren belehrt.
Frau Bauer verstand es, in ihrem Vortrag wichtige Zusammenhänge kompetent zu veranschaulichen und aufgrund ihrer rhetorischen Fähigkeiten und der merklichen Begeisterung, mit der sie bei der Sache war, ihre Zuhörer zu fesseln, die im Übrigen sehr zahlreich erschienen waren, mit anderen Worten: Der Saal war „gerappelt“ voll.
Gleich eingangs wies Frau Bauer darauf hin, dass sie im Rahmen der Veranstaltung nur einen Überblick über die grundlegenden Fütterungsregeln geben könne, der jedoch jeden Reiter und Pferdehalter für dieses Thema sensibilisieren sollte.
Im folgenden  erläuterte die Referentin anhand ihrer gut vorbereiteten Power-Point-Präsentation die Bedeutung der Brennstoffe, die für die Leistungsfähigkeit erforderlich sind und durch Kohlenhydrate und teilweise Fette gebildet werden, der Baustoffe, die dem Zellaufbau dienen und vornehmlich aus Fetten und Eiweißen bestehen sowie der Regel- und Wirkstoffe, die für ein gesundes Pferdeleben ebenfalls unabdingbar sind, und der Sekundären Pflanzenstoffen, die Schutz vor freien Radikalen bieten, deren genaue Wirkungsweise jedoch noch nicht vollständig erforscht ist.
Die Regel- und Wirkstoffe werden in die Gruppe der Mineralien (Natrium, Chlor, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium) und die der Spurenelemente (Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Jod, Selen, Kobalt) eingeteilt.
Bzgl. der Stoffe Kalium, Calcium und Phosphor kommt es nach den Ausführungen der Referentin kaum zu Mangelerscheinungen, da sich diese Elemente in ausreichender Menge in Heu und Getreide finden. In gutem, grünem Heu ist auch Magnesium ausreichend vorhanden, in Heu minderer Qualität ist dies nicht der Fall. Bei Magnesiummangel ist – insbesondere in Stresssituationen – mit einer erhöhten Kolikanfälligkeit zu rechnen.
Die Spurenelemente sind in natürlichem Futter nicht oder nicht ausreichend vorhanden, so dass Frau Bauer insoweit eine Nahrungsergänzung empfiehlt.
Weiniger problematisch sieht es bei den Vitaminen aus. So wies Frau Bauer darauf hin, dass das Pferd im Gegensatz zum Menschen in2.jpg der Lage ist, Vitamin C selbst herzustellen. Von den benötigten Vitaminen E, D, K und A (fettlöslich) sowie C und 8B (wasserlöslich) können lediglich die Vitamine A und E vom Pferd nicht selber produziert werden, wobei Betakarotin als Vorstufe von Vitamin A ausreichend in Heu vorkommt. Einem Vitamin-E-Mangel kann durch die Zugabe von Fetten z. B. aus Leinsamen bzw. Sonnenblumenkernen entgegengewirkt werden.
Grundsätzlich sollte dem Pferd laut der Referentin im Rahmen der Grundfütterung Wasser zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen, ebenso Stroh (mindestens jedoch 2-3 kg/Tag), das aufgrund seines Ballaststoffreichtums sinnvoll ist. Heu kann im Normalfall ebenfalls satt gefüttert werden, ansonsten 1-1,5 kg je 100 kg Pferdegewicht. In Einzelfall kann – insbesondere bei sehr leichtfuttrigen oder erkrankten Pferden – eine geringere Gabe sinnvoll sein.
Die Art und Menge der Ergänzungsfuttermittel, insbesondere Kraftfutter und Mineralstoffe/Spurenelemente ist auf das jeweilige Pferd abzustimmen. Problematisch ist hierbei, dass fertige Futtermischungen oft auf Sportpferde zugeschnitten sind. Füttert man einem Freizeitpferd eine entsprechend seines Kalorienbedarfs niedrigere Dosis, führt dies zu Problemen, da es dann gleichzeitig zuwenig Vitalstoffe zu sich nimmt.
Die Referentin wies darauf hin, dass die alleinige Getreidefütterung nicht unproblematisch ist. So kann es hierbei zu Übersäuerung des Magens sowie der Muskulatur kommen, daneben zu Fehlgärungen, welche letztendlich zu Leberschäden führen können. Weiterhin kann es bei zu hohen Dosen zu Verfettung oder  Stoffwechselstörungen kommen.

Als haltungs- und fütterungsbedingte Erkrankungen nannte Frau Bauer folgende:
-Kreuzverschlag
-PSSM (Polysaccharidspeichermyopathie), eine Erkrankung, die sich des Öfteren bei Quarter Horses findet und die ausschließlich über eine aufwendige Muskelbiopsie sicher zu diagnostizieren ist
-Diabetes
-Cushing-Syndrom (hierbei produziert die Hirnanhangdrüse zuviel körpereigenes Kortisol)
-Metabolisches Syndrom, das ein Risikofaktor für die
-Hufrehe ist.

Frau Bauer empfiehlt bei der Neigung zu o. g. Erkrankungen daher:

-Minimierung der Kohlehydrate (z. B. durch getreidefreies Mischfutter)
-Verwendung alternativer Energieträger (z. B. Rübenschnitzel mit etwas Öl und ggf. Luzerne; Malztrunk, Muskelpräparate und abgestimmte Mineralien und Spurenelemente)
-Anpassung der Heuration
-evt. alternativ: Stroh guter Qualität
-Sicherstellung der Versorgung mit Spurenelementen
-wenig oder keine Leckereien (wie Brot, Äpfel und auch Möhren) füttern
-bei Rehegefahr, Cushing und Übergewicht kein Weidegang, stattdessen Strohfütterung im Paddock
-viel Bewegung

Bei leichtfuttrigen Pferden ist ebenfalls auf eine angemessene Gabe von Mineralien und Spurenelementen zu achten, da es ansonsten zu Problemen des Immunsystems, der Fruchtbarkeit, der Wundheilung und Blutbildung sowie der Haut- und Hufbeschaffenheit, der Muskulatur und Leistungsbereitschaft, der Knochen und des Bindegewebes kommen kann.

3.jpgBeim Vorliegen der obigen Symptome sollte zunächst ein Blutbild des betreffenden Pferdes erstellt werden, anhand dessen erkennbar ist, welche Mangelerscheinungen in Betracht kommen. In diesem Zusammenhang weist Frau Bauer auf das Angebot der Firma St. Hippolyt
hin, anhand des Blutbildes die dortigen Spezialisten zu befragen.

Allgemein empfiehlt die Referentin eine ausgewogene Ernährung und eine artgerechte Haltung, wobei die Fütterung spurenelementreich sein soll, die Stoffe bioverfügbar und genau aufeinander abgestimmt sowie von hoher Qualität (insbesondere das Raufutter) und energieangepasst sein sollen. Dabei sind bei der Dosierung immer die jeweiligen Haltungsbedingungen und Besonderheiten des einzelnen Pferdes zu berücksichtigen, so kommt es z. B. bzgl. des optimalen Verhältnisses von Calcium zu Phosphor maßgeblich auf die Größe der Getreideration an.
Bei der Haltung ist zu beachten, dass dem Pferd Schutz vor Sonne und Insekten geboten werden muss und eine karge und stressfreie Haltung zu bevorzugen ist. Um diese Erfordernisse zu erfüllen, ist ein gut organisiertes Weidemanagement unabdingbar.
Dem Pferd sollte durch ausreichend Bewegung zu einem aktiven Stoffwechsel verholfen werden. Daneben ist selbstverständlich auch eine ordnungsgemäße Pflege und Gesundheitsfürsorge erforderlich.
Nach Vortragsende stand die Referentin für Fragen zur Verfügung. Dabei war der Andrang interessierter Pferdehalter so groß, dass Frau Bauer noch mehrere Stunden beschäftigt war…

Katja Wörner

 
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