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Wanderreiten

   

Das brave Wanderreitpferd und wie man sich eines macht

Details das_brave_wanderreitpferdWie kommt es, dass manche Leute ein so braves und unkompliziertes Pferd reiten, das so offensichtlich alles macht und kann. Haben diese Pferdebesitzer einfach Glück gehabt? Was ist mit den ewig schwierigen, nervösen Pferden, die ständig über Unebenheiten stolpern, nicht ruhig stehen können, beim Abhang klettern unkontrolliert ins Rutschen kommen, nicht über den Graben springen, nicht durchs Wasser gehen, die nach anderen Pferden austreten, die total fertig sind, weil sie nur noch zackeln, die keiner überholen darf, weil sie sonst noch nerviger werden, …….die sich, ihrem Reiter und allen Mitreitern das Leben schwer machen.

Wanderreiten stellt einen nicht zu unterschätzenden Anspruch an die Leistungsfähigkeit und an das Können des Pferdes. Ein Allheilmittel für jeden Pferdetyp gibt es sicher nicht. Auch erhebt dieser Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür ist das Thema Pferdeausbildung viel zu komplex. Hier sind einfach ein paar Gedanken und Anregungen zur Vorbereitung auf die nächste Wanderreitsaison.
Viele Ausbildungsschritte lassen sich ganz einfach in den Pferdealltag integrieren. Insbesondere die Bodenarbeit bietet eine Fülle von Möglichkeiten: Von Stillstehen, über Rückwärtsrichten, Seitwärtsgängen, Plane, Wippe, Labyrinth, etc. Alle Dinge, die zu Hause klappen sollten dann unbedingt auch unterwegs abgefragt und geübt werden.
Also: Während des Ausritts einfach mal absteigen und eine Übungseinheit im Wald einlegen: z.B. Stillstehen, während (für Fortgeschrittene) der Mitreiter ein Stückchen weiter reitet. Oder zu Fuß über einen dicken liegenden Baumstamm klettern und das Pferd hinterher steigen lassen. Suchen Sie sich z.B. eine kleine steile Böschung zum hoch und runterklettern. Lassen Sie das Pferd an der Hand in genügend großen Abstand am losen Zügel hinterherkommen.

Wenn Sie einen netten Förster haben ist es evtl. möglich, dicht neben dem Weg im Wald zu reiten.das_brave_wanderreitpferd1 Nutzen Sie alle Unebenheiten, Senken, Hügel, liegende Baumstämme und Äste um Ihr Pferd dort hinüberzulenken. Ziel ist, dass das Pferd selbständig auf die Bodenbeschaffenheit achtet und seine Schritte anpasst. Bleiben Sie möglichst still auf dem Pferd sitzen und stören Sie es nicht. Zum Lernen gehören auch Fehler. Versuchen Sie also nicht unbedingt ein Stolpern zu vermeiden. Hätten Sie laufen gelernt, wenn Sie immer jemand an der Hand gehalten hätte? Wem das zu mulmig ist, der kann sein Pferd diese Schwierigkeiten zunächst an der Hand am losen Zügel bewältigen lassen. Auch hier gilt: Nicht stören und das Pferd ruhig Fehler machen lassen. Normalerweise kommen Pferde wunderbar zurecht, wenn man sie nur lässt und diese Erfahrung nützt evtl. dem Reiter, wenn er beim nächsten Mal mutig im Sattel sitzen bleibt.

Schenkelgehorsam ist ein wichtiges Wort, wenn es darum geht, ob das Pferd sich exakt lenken lässt. Es ist einfach ungemein praktisch, wenn das Pferd dem drückenden Schenkel zuverlässig weicht. Man nutzt es dies z.B. um neben (und nicht auf) einem liebevoll angelegten Blumenbeet zu reiten, um Fußgängern auszuweichen oder um zu verhindern, dass das Pferd bei engen Wegen im Gebirge auf einen losen Abhang tritt.  Auch hier sollte man nicht bis zur Alpenüberquerung warten. Erste Übungseinheiten lassen sich wunderbar mit Hilfe eines am Boden liegenden Stangenlabyrinths starten. Oder reiten Sie eine schnurgerade Strecke, ohne, dass Ihr Pferd nach rechts oder links ausfällt. Steigern Sie die Übung, indem Sie z.B. durch eine Pfütze reiten (nebenbei wird das Pferd auch noch auf Wasserüberquerungen vorbereitet). Dulden Sie nicht, dass Ihr Pferd sich irgendwo am Rand entlang mogelt, wenn Sie eigentlich mittendurch wollten. Fragen Sie diesen Grundgehorsam immer wieder in allen möglichen Situationen ab. Nur dann ist es für das Pferd selbstverständlich auch in Situationen, in denen es darauf ankommt zu gehorchen.

das_brave_wanderreitpferd2 Schritt ist auf Wanderritten normalerweise die vorherrschende Gangart. Ein raumgreifender und fleißiger Schritt lässt die Kilometer schmelzen, ist aber für viele Pferde nicht von vorn herein selbstverständlich. Zudem ermüdet ein flotter Schritt ein untrainiertes Pferd. Manche Pferde beginnen nach einer längeren Etappe zu zackeln – nicht weil sie so munter sind, sondern weil sie nicht mehr die Kraft haben, das Schritttempo der Gruppe zu halten.
Auch hier ist also Training angesagt. Ein guter Schritt lässt sich üben. Zunächst einmal muss das Pferd überhaupt lernen, seine Schrittlänge möglichst raumgreifend zu gestalten. Hier macht es beim Treiben Sinn, sich über die Fußfolge Gedanken zu machen. Keine Angst – so kompliziert ist es nicht. Treiben Sie z.B. immer dann mit dem linken Schenkel, wenn das linke Hinterbein am Vorschwingen ist. Auf diese Weise können Sie beeinflussen, dass das Bein noch ein wenig mehr nach vorne ausgreift und evtl. auch etwas flotter wird. Wann der linke, bzw. der rechte Schenkel dran ist, merkt man, wenn man darauf achtet, wie der Pferdebauch zwischen den Reiterbeinen nach links oder rechts weg schwingt. Unterstützt man dieses Schwingen dann mit den Schenkeln, ist man genau richtig. Natürlich soll das Pferd nicht die ganze Zeit aktiv getrieben werden müssen. Den Schenkelimpuls kann man gut mit der Gerte verstärken (aber im richtigen Rhythmus mit den Schenkeln). Sobald das Pferd das gewünschte Tempo erreicht hat, lässt man es selbständig weitergehen. Wird es langsamer, treibt man es wieder mit Schenkel, Stimme und Gerte in das richtige Tempo hinein. Auf diese Weise wird das Pferd erzogen sein Tempo zu halten. Zackelt das Pferd an, nimmt man es sanft wieder zurück und beginnt vorsichtig von neuem. Es ist hier wichtig am Anfang den Schritt nicht zu schnell und zu lange zu verlangen.
Auch vom Boden aus kann man die richtige Reaktion auf den Schenkel üben. Gehen Sie neben dem Pferd her und motivieren Sie es mit der Gerte als Schenkelersatz fleißig vorwärts zu schreiten. Das Pferd soll prompt auf die Gerte reagieren, ohne zu erschrecken. Auf diese Weise sensibilisieren Sie das Pferd zusätzlich für den Reiterschenkel.

In einer Wanderreitgruppe kommen oft die unterschiedlichsten Pferdetypen zusammen, was schließlich auch einen Reiz des gemeinsamen Wanderreitens ausmacht. Es ist also nicht unbedingt selbstverständlich, dass alle Pferde in ihrem Grundtempo miteinander harmonieren. Wenn also man als Gruppe zusammen bleiben will, sind Kompromisse gefragt. Die Schnellen müssen ihr Tempo etwas zurücknehmen und die gemütlichen etwas sportlicher werden. Üben Sie daher mit Ihrem Pferd verschiedene Tempi in allen Gangarten. Üben Sie das Tempo einzufangen und wieder zu verstärken. Hilfreich ist es auch, wenn das Pferd gewohnt ist überholt zu werden und selbst zu überholen. Üben Sie in einer kleinen Reitergruppe in allen Gangarten hintereinander „auf Position“ zu reiten. Dann überholt der letzte Reiter die Gruppe, setzt sich an die Spitze. Es folgt der nächste letzte Reiter, u.s.w.

Ein Pferd kann sich nicht weiterentwickeln und lernen, wenn es immer nur der gleichen Routine ausgesetzt ist. Es braucht Reize mit denen es sich auseinandersetzten muss. Aus jeder gemeisterten Situation geht es gestärkt hervor und ist in der Lage neue Schwierigkeiten noch besser und selbstbewusster zu bewältigen. Dem Reiter ergeht es hoffentlich auch so!
Wichtig ist, dass man sein Pferd nicht mit Schwierigkeiten überfällt. Es sollen zunächst nur kleine Herausforderungen sein, die dann allmählich gesteigert werden.
Warum also bis zum nächsten Wanderritt warten, um dann das Pferd evtl. überraschend mit ungewohnten  Situationen zu konfrontieren, die man doch schon prima zu hause in kleinen Dosierungen üben kann.
Sprengen Sie die eintönige Reitroutine. Suchen Sie sich kleine Herausforderungen. Trauen Sie sich und Ihrem Pferd etwas zu. Halten Sie Ihr Pferd körperlich, aber vor allem geistig flexibel. Laufen Sie neben ihm her, springen Sie gemeinsam mit ihm über Gräben und lassen Sie es an der Hand grasen. Zeigen Sie ihm Wasserpfützen, Bäche und Teiche. Lassen Sie es an parkenden Lastwagen schnuppern. Zeigen Sie ihm die Umwelt, abseits der breiten, ebenen, ruhigen Wege. Lassen Sie es seine Beine selbständig gebrauchen. Es ist sein Beruf, einen anderen hat es normalerweise nicht.
Ein Pferd, das mit seinem Reiter einen so abwechslungsreichen Reitalltag hat, wird auch einen Wanderritt gelassen meistern. Und wenn dann jemand zu Ihnen sagt, wie viel Glück Sie doch mit diesem braven Pferd haben, dann fassen Sie es einfach als Kompliment auf.
Wenn Ihr gemeinsam üben wollt, dann meldet Euch zum Geländeformations-Kurs im Juli an (sh. Termine).
Michaela Kondr
   
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