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RRR 2016 - Über den Dächern von Ludweiler

Details
  • am_Start_RRR
schliefen wir selig, im Naturfreunde-Haus. Den Schlaf hatten wir uns redlich verdient, denn wir hatten nicht nur den Rambling-Rover-Ritt bestritten. Wir waren trotz diverser Hindernisse abends noch auf dem Feuerwehrfest gewesen um das Tanzbein zu schwingen. Das war auch unsere Pflicht, so hatten die Reiter/innen doch einen eigenen VIP-Tisch direkt vor der Bühne reserviert bekommen. Nachdem der Hunger gestillt war und der Alkoholspiegel bei dem einem oder anderen ein wenig angestiegen war, rockten wir gehörig ab oder wir schwangen unsere Wunderkerzen melancholisch durch die Luft. Bei der guten Musik und der kurzweiligen Moderation war die Stimmung bald sehr gut. Während die Pfälzer Mit(st)reiter/innen schon kurz vor Mitternacht alle nacheinander schwächelten und im wahrsten Sinne des Wortes in höhere Gefilde verschwanden, hielten die Saarländer bis zum Zapfenstreich die Stellung. Erst dann erklommen sie den Berg zum Naturfreunde-Haus, von wo man einen phänomenalen Blick über das darunterliegende Ludweiler hat.

Wir waren am 6. August in Berviller bei wunderschönem Reit-Wetter zum RRR gestartet. Schon auf der Fahrt zu Christiane und Jürgen beschlich mich ein ungutes Gefühl als ein Gespann mit Island-Pferden an uns vorbeisauste. Und ich sollte recht behalten. Ganze sieben Isis tummelten sich am Treffpunkt! Die Begrüßungsbowle konnte mich nicht darüber hinwegtäuschen, Christiane hat tatsächlich noch andere Freunde! Das Signal zum Abritt erklang und ich durfte nicht mit. Christiane startete mit diesen hübschen töltenden Pferdchen ohne mich. Auf meinen Trick mit dem Fengur-T-Shirt war sie nicht hereingefallen und auch die Fliegen-Zebra-Decke meiner Josy konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass mein Pferd nicht tölten kann. Verdammt! Mir brach es das Herz, als die bunte Gruppe gut gelaunt aufbrach, und das mit meiner Christiane! Doch bevor ich der Depression anheimfallen konnte, ertönte erneut ein Signal. Jürgen gab Kommando zum Start und wir, die sechs Zurückgelassenen, folgten ihm. Bald ging es im flotten Trab voran und ich hatte keine Zeit mehr, Trübsal zu blasen. Wer braucht schon eine Christiane, wenn er einen Jürgen hat? Die Welt flog an uns vorüber und das zackige Tempo, das Jürgen uns mit seinem Traber vorlegte, machte einen Riesen-Spaß! Schattige, kühle Waldwege wechselten rasant ab mit sonnigen Wiesen, goldenen Feldern und weichen Sandwegen. All diese schönen Eindrücke aufzunehmen und nebenbei noch zu reiten, erforderte eine enorme Konzentration. Es sorgte aber auch für eine enorm gute Laune. Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich haben wir mehrmals überquert. Einmal zeigten die Kinder lachend auf mein Pferd und riefen: „Ein Zebra, wie lustig“, das nächste Mal riefen sie lachend: „Un Zèbre, c’est drôle!“ Wir fanden das auch drollig und lachten und winkten zurück.

Es dauerte gefühlt gar nicht lange, und wir tauchten in den Warndt ein. Das gemeine Volk durfte früher diesen Wald nicht betreten, wurde davor gewarnt. Der Schmuggler-Pfad, auf den Jürgen uns führte, war geheim und unheimlich und gefährlich und wahnsinnig schön. Er führte uns an einem kleinen Rinnsal vorbei ganz tief in die Kühle und das Dunkel des Warndt-Waldes, bis wir an unserem Rastplatz, dem Fischweiher mit seinem Gasthaus, ankamen. Am, oder sogar im Weiher, tränkten wir die Pferde. Zu unserer Erheiterung wollte Urs direkt vom Pferd aus baden gehen, und dank eines lockeren Gurtes wäre ihm das auch beinahe gelungen. Bilder haben wir davon aber keine geschossen, nicht wegen der Moral, wir mussten nur einfach zu viel lachen. Übrigens trafen wir die Christiane mit ihrer Gruppe dort wieder, wenn auch nur kurz. Denn kaum waren wir angekommen, riefen die sieben fröhlich ihre Losung „Alles easy mit dem Isi!“ und waren schon wieder weg, schnell wie Schmitz Katz. Nach einer angemessenen Pause ging es auch für uns wieder weiter Richtung Ludweiler. Kurz vorm Ziel erwartete uns noch etwas ganz Besonderes. Wir erstiegen eine Halde. Ich hatte nicht bemerkt, wie hoch wir mittlerweile gekommen waren. Der Ausblick verblüffte die anderen ebenso wie mich. Direkt vor uns lag das Plateau der Halde, circa 400m lang und breit. Es sah aus wie eine Vulkan-Landschaft. Darauf verstreut türmte sich die Schlacke in kleinen Anhöhen auf. Breite Wege führten dazwischen kreuz und quer über diese Einöde. Doch dahinter lag, so schien es, die halbe Welt zu unseren Füßen. Wir sahen den Ort Ludweiler direkt unter uns liegen, den Warndt-Wald, den Beruser Berg und ganz weit am Horizont drehten sich die Windräder von Berviller, wo wir gestartet waren. Der Ausblick war wirklich überwältigend. Doch dann erblickten wir das Schönste von allem, am anderen Ende der Halde. Dort erhob sich ein Erdwall gegen den blauen Himmel. Auf diesem Erdwall ritten sieben Reiter/innen hintereinander in schneidigem Tempo. Sie saßen auf kleinen Pferden mit üppiger Mähne. Ich könnte wetten, sie ritten im Tölt. Das Haar von Mensch und Reittier wehte im Wind. Ihre Silhouetten gaben ein wunderschönes Bild für uns ab, bevor sie, einer nach dem anderen, plötzlich verschwanden. „Schau, da reiten die Wickinger und nehmen Island ein.“ hauchte Gaby mir zu. Da hatte sie recht.

Dann war es an uns, das Plateau zu überqueren. Einige galoppierten, andere trabten. Doch ich zog es vor, die Aussicht zu genießen. Das kommt nicht oft vor! Viel zu schnell erreichten auch wir den Erdwall, erklommen ihn und rutschten dann, zu unserer großen Freude und Belustigung, einen kleinen steilen Abhang hinunter.

Am Naturfreunde-Haus warteten bereits Troß, Paddoks und Wasser auf unsere Pferde. Die Isi-Gruppe hatte sich schon eingerichtet. Nachdem alle Pferde versorgt waren, lagen wir faul im Gras in der Sonne. Allerdings taten wir das nicht lange. Plötzlich preschte ein quittegelbes kleines Auto auf die Wiese und heraus sprang….Christiane. Sie beförderte zu unserer größten Freude große schwere Kühltaschen zu uns. Auf einem Schild auf ihrer Windschutzscheibe war in großen Lettern zu lesen:

Nussbecher; Schokobecher; Bananenbecher; Früchtebecher; Amarenabecher

Wir unterbrachen das Dösen für kurze Zeit und genossen zufrieden einen leckeren Eisbecher mit frischen selbstgeschnippelten Bananen und allerlei raffinierten Soßen.

Beim anschließenden Versorgen der Pferde fiel mir auf, dass einige Kamerad/innen etwas angeschlagen wirkten. Die Beschwerden reichten von Kopfweh über Hexenschuss bis hin zu Hüft-und Knieschmerzen. Ich will mich da selbst nicht ausnehmen. Der Mistboy wurde in der Not als Krücke umfunktioniert. Die jüngeren unter uns wurden neidisch beäugt und prompt zum Wasser holen geschickt. Dann erfuhr ich, dass die Isi-Leute ihren eigenen Arzt mitgenommen hatten. Ach, das ist ja äußerst praktisch. Sie scheinen sehr weitsichtig zu sein, diese Isi-Leute. Außerdem besitzen sie jede Menge Humor. „Das Islandpferd ist die Vorstufe zum Rollator.“ ließ ich mir sagen. Ich schluckte. Bei genauerer Betrachtung betrifft das früher oder später jeden von uns. Mir fiel ein, zu welch seltsamen Methoden ich in der letzten Zeit griff um auf mein Ross zu steigen. Mein Blick ruhte auf den kleineren hübschen Pferden, deren Namen sich nur schwer aussprechen ließen und wahrscheinlich auf –ur oder -ja endeten. Eigentlich war das eine sehr schöne Aussicht, in jeder Hinsicht!

Die Zimmer wurden bezogen, die Leiden wurden ad Acta gelegt. Wir machten uns salonfähig und dann ging‘s rein ins Vergnügen! Hinunter gingen wir alle zusammen, ins Örtchen zum Rambling-Rover-Konzert. Die Jungen versprachen die Oldies den Berg wieder hochzuziehen, falls es zum Äußersten kam. Die tolle Moderation der Band hob unsere Stimmung gewaltig. Bei irischer Folklore und nicht wenigen Klassikern aus anderen Genres tat rein gar nichts mehr weh. Ohne Krücken und ohne Klagen nahmen wir die Tanzfläche ein, zumindest die meisten von uns. Jung und alt rockten und tanzten was das Zeug hielt. Eine gewisse Dame, die eben noch ihren Gspusi zum Bier holen geschickt hatte, „ich kann doch so schlecht laufen“, hüpfte nun über die Bühne wie ein junges Reh. Sie brauchte sich auch keine Sorgen wegen des Heimrittes am morgigen Tag zu machen, war doch ihr Reittier nicht gar so hoch und konnte tölten. Es war ein sehr schöner Abend und nach einigen roten und einigen gelben Cocktails in der Bar hab ich auch mit der Isi-Fraktion meinen Frieden geschlossen.

Am nächsten Morgen wurden trotz Katerstimmung natürlich zuerst die Pferde versorgt. Dann linderte der mitgebrachte Mediziner die schlimmsten Leiden. So konnten wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischer Kraft bald den Heimritt antreten. Weitaus versöhnlicher als am vorigen Tag winkte ich der Isi-Gruppe nach, die als erstes startete.

Als allererstes galt es in Ludweiler eine Unterführung zu meistern. Ich schätze, auch bei dieser Prüfung hatten es die Reiter auf den kleineren Pferden etwas leichter. Aber auch wir auf den „Großen“ haben das Hindernis gemeistert. Um die knapp 30km zurückzulegen, schlugen wir noch einmal ein schneidiges Tempo an. Die erste Pause war unspektakulär. Wie gewohnt, sahen wir die Isi-Fraktion nur kurz von hinten. Aber dann führte uns Jürgen noch zu einem Festzelt, wo wir ein Paar Rollschoppen bestellten. Die find ich immer so erfrischend. Das war cool. Beim anschließenden Galopp über ein Feld zeigte ich den anderen meine Paparazzi-Fähigkeiten. Ich machte ganz salopp einhändig reitend einige schöne Schnappschüsse von unserer Truppe. Das war auch cool. Danach überquerten wir die Noblesse des Linsler Hofes bei Überherrn. Die Anlage ist sehenswert und sehr romantisch. Hinter dem Hof fließt die „Bist“. Jürgen wusste gleich um zwei Bachfurten, die unsere Pferde zur allgemeinen Erheiterung prompt prustend und planschend durchquerten. Nach dieser ausgiebigen Erfrischung machte uns der folgende Renngalopp gleich doppelt so viel Spaß. Wir donnerten über einen nicht enden wollenden Asche-Weg, parallel zur B 269. Das war einfach prima. Wir waren schnell wie der Wind und mancher Reiter musste danach seine Reitutensilien wieder einsammeln. Dann stiegen wir bei Berus zum Europa-Denkmal hinauf. Dort ist ein wunderschönes Reitgebiet mit der Tafeltour und dem Grenzweg. Das genossen wir in vollen Zügen bevor wir schließlich wieder in Berviller ankamen und, wie könnte es anders sein, wieder zu Christiane und ihren Isi-Freunden stießen. Die Pferde wurden erneut getränkt und auf die bereitstehenden Paddocks gestellt. Dann machten wir entweder einen Spaziergang oder eine Fahrt, je nach Alter und Gesundheitszustand, zum Heim von Christiane und Jürgen. Im romantischen Garten saßen wir zum Ausklang dieses RRR bei Kaffee und Kuchen zusammen und es wurden lustige Geschichten erzählt und viel gelacht.

„Ich genieße alle Dinge die mir guttun“ hab ich mir auf einer Fortbildung über Resilienz erarbeitet. Und dieses Wochenende hab ich genossen. Es ist wunderschön, in einer solch tollen Truppe mit dem Pferd unterwegs zu sein und seine Zeit zu verbringen. Es ist wunderschön, neue Leute mit neuen Pferden kennenzulernen. Und es ist schön, diesen Bericht für euch zu schreiben und damit dieses Erlebnis unvergesslich zu machen.

Dagmar Cullmann

   
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