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Einen Tag mit dem Hufschmied unterwegs…

Details

Hufschmied7

 

Morgens um 7 Uhr 30 geht´s los. Treffpunkt Werkstatt zum Einladen der Werkzeuge und Schärfen der Messer mit Hilfe der Filzschleife. Siegfried Fischer, staatlich geprüfter Hufschmied, erklärt uns die ersten Arbeitsschritte, die man als Hufschmied durchführen muss. Die vorabendliche Planung der Termine erleichtert die Entscheidung der benötigten Materialien und Werkzeuge. Außerdem wird immer ein gewisser Vorrat an rohen Eisen und jetzt, da es Winter wird auch Grip benötigt.

Eins wird hier schon klar, Organisation ist für einen Hufschmied sehr wichtig, um einen reibungslosen Ablauf zu haben und die Zeit nutzbringend zu verwenden. Schon 15 Minuten später sind wir auf dem Weg zum ersten Kunden.

 

Kurz nach 8 Uhr treffen wir auf dem Hof in Püttlingen ein. Der vierbeinige Kunde wartet bereits in seiner Box. Siegfrieds´ Lehrling Joshua holt ihn raus und bringt ihn zum Beschlagsplatz. Es handelt sich hier um einen älteren Isländer, der durch eine frühere Verletzung der tiefen Beugesehne und am Fesselträger an den Vordergliedmaßen einen orthopädischen Beschlag braucht, erklärt uns Siggi, wie er oft genannt wird. Er braucht demnach vorne einen Beschlag, wo der Abrollpunkt der Zehe weiter zurückgelegt wird und die Hufe allgemein steiler gestellt werden, um eine Entlastung des geschädigten Gewebes zu erreichen. Siggi weist darauf hin, dass es in solchen Fällen sehr wichtig ist, dass die Kommunikation und Absprache zwischen Tierarzt und Hufschmied einwandfrei funktioniert, um dem Pferd effektiv helfen zu können.

Hufschmied3Die Abnahme der Eisen verläuft zügig, die Handgriffe sind so präzise, dass das Pferd innerhalb weniger Minuten barhuf dasteht. Danach schneidet Siggi die Hufe in Form und nimmt das überschüssige Horn weg. Zuerst wird die Sohle ausgeschnitten und der Strahl bearbeitet, dann folgt die Abnahme des überschüssigen Tragrandes mit der Zange und zuletzt wird der Huf von unten und außen in Form geraspelt. Bevor die neuen Eisen im Ofen auf Temperatur gebracht werden, wird eine Kalt-Anprobe gemacht, um die Größe der benötigten Eisen zu bestimmen.

Jetzt wird´s heiß! Im wahrsten Sinne des Wortes…

Die Eisen werden auf bis zu 900 °C erhitzt, um sie danach in die dem Huf angepasste Form zu bringen. Dies geschieht durch Hammer und Amboss. Es klingt schon fast wie Musik, wenn Siggi den Hammer im Takt auf das Eisen schwingt. Wenn es passend geschlagen wurde, wird das noch heiße Eisen auf den Huf aufgebrannt. Dies dient der Kontrolle, ob das Eisen auch der Form des Hufes entspricht. Manchmal sind noch ein paar kleine Korrekturen am Eisen nötig, um es wirklich passend zum Huf zu haben.

Hufschmied 9Das Eisen wird in klarem Wasser kurz abgeschreckt. Joshua setzt in die neuen Eisen die Stifte ein, diese verhindern das Wegrutschen auf Asphalt. Während Siegfrieds´ Lehrling nun einen Huf nach dem anderen aufhält, nagelt Siggi die Eisen auf die Hufe. Dabei erklärt er uns, dass es sehr wichtig ist, den richtigen Winkel für das Einschlagen der Nägel zu halten. Denn diese sollen ca. 2 cm oberhalb des Eisens aus der Hufwand wieder austreten. Hier ist Erfahrung von nöten, um ein Vernageln zu vermeiden. Bei dem Setzen der Nägel gilt das Motto, so wenige wie möglich, so viele als nötig.

Der letzte Schliff erhält Andri, so der Name des Isländers, von Joshua. Die überstehenden Nägel werden abgeknipst, es wird unter der Austrittsstelle eine Nut gesetzt und die gekürzten Spitzen mit Hilfe einer Zange in diese Nut versenkt. Dann wird zum Abschluss noch einmal alles glatt geraspelt, nicht nur für das Auge, sondern auch um Verletzungen durch scharfe Kanten zu vermeiden.

Zufrieden nimmt die Besitzerin ihren Andri entgegen. Indes wird alles wieder eingeladen und kurz darauf geht´s auch schon weiter zur nächsten Kundschaft.

Weiter geht´s nach Züsch. Hier erwarten uns zwei Isländer. Beide werden freizeitmäßig geritten. Siggi erläutert uns, was er an Informationen braucht, bevor er ein Pferd das erste Mal beschlägt:

 

  • Gesundheitszustand

  • Leistung

  • Nutzung

  • Trainingszustand

  • Bodenverhältnisse

  • Zustand der Hufe

 

Um nur mal die wichtigsten Punkte zu nennen…

Aber nun zurück zu unserer pferdigen Kundschaft. Da es sich hier um Gangpferde handelt, ist ein besonderes Augenmerk auf die Gewichtung des Beschlags zu achten. Bei den beiden handelt es sich um Isis, die eher zum Passtölt neigen. Siggi wählt in diesem Fall vorne 10er-Eisen und hinten 8er. Warum? Der Passtölt ist mehr in die laterale verschoben. Indem man nun das Pferd vorne schwerer beschlägt als hinten, kann man ihm helfen, den richtigen Takt im Tölt zu finden, da es nun mit einer besseren Vorhandaktion agieren kann. Dadurch verschiebt sich der Passtölt oft in den taktklaren Tölt. Natürlich hängen noch mehrere Faktoren davon ab, aber der richtige Beschlag ist ein wichtiger Punkt!

Das eine Pferd ist auf einem Auge blind, deswegen wird auf dieser Seite mit besonders viel Ruhe gearbeitet, damit das Pony sich nicht erschrickt. Joshua erklärt, dass es von besonderer Bedeutung ist, auch auf das Verhalten der verschiedenen Pferde eingehen zu können und dieses auch zu verstehen. Es ist eine empathische Verbindung, die man aufbauen und zulassen sollte, denn so vermeidet man auch Unfälle!

Dazu äußert sich auch Siegfried, wer nicht freundlich, kompetent und mit Ruhe ans Werk geht, der wird schnell eines Besseren belehrt werden. Dies kann auch sehr schmerzhaft enden!

Während unserer Tour werden wir wirklich sehr gut versorgt, vor allem mit Kaffee! Bei fast jedem Kunden steht nach kurzer Zeit für jeden eine Tasse Kaffee bereit. Was für ein toller Service! Dieses freundliche Miteinander trägt viel zu einer angenehmen, zum Wohle des Pferdes ausgelegten Stimmung bei.

Die angenehme Ausstrahlung und das Verständnis für das arttypische Verhalten der Pferde übertragen sich nicht nur auf die vierbeinigen Kunden. Auch die Fachkompetenz, die ein guter Hufschmied besitzen sollte, sorgt dafür, dass man seine geliebten Vierbeiner vertrauensvoll in die erfahrenen Hände von Siggi gibt.

Nach dem isländischen Flair geht es weiter zu einem Kutschpferd. Einem stattlichen Friesen mit seinem Pony-Kumpanen. Da der Friese hauptsächlich als Kutschpferd genutzt wird, bekommt er an jedes Eisen vier Stifte um ein Wegrutschen auf dem Asphalt zu verhindern. Zügig und mit sicheren Handgriffen werden den beiden Pferden die alten Eisen abgenommen und passend ausgeschnitten. Nach dem Aufbrennen schneidet Joshua die scharfen Kanten weg, die dadurch entstehen, um keine Druckstellen zwischen Eisen und Huf entstehen zu lassen. Uns fällt auf, wie gewissenhaft und penibel die Arbeit eines Hufschmiedes ist, denn jede Kleinigkeit will bedacht sein!

Auch als der Friese etwas nervös wird, da er noch jung ist und noch wenig Erfahrung besitzt, wird einem die Komplexität dieses Berufes bewusst. Denn als Schmied braucht man nicht nur ein gutes Händchen für den Beschlag und Kenntnisse in Anatomie und Pathologie. Auch Empathie gegenüber dem vierbeinigen und zweibeinigen Kunden ist enorm vorteilhaft und auch wünschenswert. Denn durch das richtige Handling auch mit etwas schwierigen Pferden schützt man das Tier, wie den Mensch vor etwaigen Verletzungen. Und das Pferd lernt dem Hufschmied zu vertrauen.

So beruhigt sich der junge Wallach schnell wieder, dank der ruhigen Ausstrahlung und dem artgerechten Verhalten von Siggi und seinem Lehrling.

Nach diesen Kunden müssen wir einmal zurück zur Werkstatt, um einiges nachzurüsten. Es ist 13 Uhr 45 als wir zum letzten Kunden für diesen Tag fahren. Es geht nach Zweibrücken zu zwei Rennpferden. Wir sind sehr überrascht, über die artgerechte Haltung dieser edlen Vollblüter, als wir dort ankommen. Mehr als die Hälfte des Tages verbringen die Pferde auf Weiden. Dementsprechend sehen sie auch aus – durch Wälzen verschmutzte, aber glückliche Pferde!

Siegfried erläutert, dass er nur unter solchen Haltungsbedingungen Rennpferde beschlägt. Es geht schließlich auch um seine Sicherheit und um das Wohlergehen der Pferde. Diese Einstellung ist klasse! Anders als bei den gängigen Beschlägen, sind Rennpferde mit sehr leichten Alu-Eisen beschlagen. Außerdem wird bei diesen Pferden das Eisen kalt angepasst. Siggi erklärt uns, dass Alu-Eisen auch im kalten Zustand leichter verformbar sind und somit optimal angepasst werden können. Er betont, dass es gerade bei Rennpferden sehr wichtig ist, dass nichts an den Trachten von den Eisen übersteht, um die Verletzungsgefahr gleich null zu setzen. Auch darf kein Nagel überstehen oder die abgeknipsten in der Nut versenkte Spitzen auch nur im Ansatz fühlbar sein.

Die Alu-Eisen sind enorm leicht und schmal. Sie haben eine tiefe Furche mittig um den Gripp zu garantieren und sollen die Sohle des Pferdes schützen und es so wenig als möglich behindern, damit es optimal galoppieren kann.

Die Vollblüter sind erstaunlich gelassen. Auch wenn sie etwas rum zappeln können sie durch ein schärferes Nein! sofort wieder unterbrochen werden. Mit dem Aufnageln des letzten Hufeisens endet ein spannender, interessanter und sehr lehrreicher Tag mit Siegfried Fischer und seinem Lehrling Joshua Gossett. Bevor wir die beiden in ihren wohlverdienten Feierabend entlassen können, habe ich noch zwei Fragen an sie:

Hufschmiede und ihre Helfer sind ja mit vielen verschiedenen Höfen und Pferden in Kontakt, wie verhält es sich da eigentlich mit dem Infektionsschutz?

Nun, im Grunde ist der Hof moralisch verpflichtet eine etwaige Infektion öffentlich bekannt zu geben… Ich sage bewusst moralisch, denn gesetzlich ist er dazu nicht verpflichtet! Aber auch wenn dem Schmied seitens des Hofes nichts mitgeteilt wird, hat er stets ein offenes Auge und hält sich auch über Kollegen und Tierärzte auf dem Laufenden. Wenn bekannt ist, dass auf dem Hof XY eine Infektion ist, wird dieser Hof entweder erst gar nicht angefahren, bzw. als letztes an diesem Tag. Danach werden alle Klamotten heiß gewaschen, Werkzeuge und Hände gründlich desinfiziert und kein weiterer Hof wird an diesem Tag angefahren. Sollte es durch Zufall während des Beschlags rauskommen, dass an dem Hof eine Infektion ausgebrochen ist, wird die Tour für diesen Tag abgebrochen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Dies ist sehr vorbildlich! Denn oftmals ist es nicht der Schmied, der Infektionen verschleppt, vielmehr die Verschwiegenheit der Ställe, die der Ausbreitung Vorschub gewähren!

Wie kann man denn nun ein staatlich geprüfter Hufschmied werden?

Hier möchte ich euch die von Siggi empfohlene Veranschaulichung des EDHV anhängen:

HS

Weitere wichtige Voraussetzungen sind:

  • Verhalten von Pferden einschätzen und passend reagieren können

  • Anatomisches und pathologisches Wissen rund ums Pferd

  • Regelmäßige Fortbildung, um auf dem neuesten Stand zu sein

  • Freundliches Auftreten

  • Führerschein mindestens Klasse B

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

  • Verantwortungsbewusst und selbstständiges Denken und Handeln

  • Mit dem Vorsatz: „Zum Wohlergehen des Pferdes“

Um nur mal die wichtigsten zu nennen!

Die Nachfrage nach guten Hufschmieden steigt stetig, so Siegfried Fischer. Es ist ein körperlich anstrengender Beruf, aber er bereitet viel Freude und man lernt immer wieder etwas dazu. Man ist ständig an der frischen Luft unterwegs, lernt neue Leute und neue Pferde kennen. Es wird nie langweilig! Es lohnt sich, diesen Beruf näher kennen zu lernen und evtl. auch zu erlernen!

Eure Saskia Teschke

Pressewartin der VFD-Saar

   
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